Ideen, ok. Und dann? Plädoyer für ein Ideenmanagement.

Wen oder was braucht es, damit neue (oder alte) Ideen die Stadt wirklich prägen und entwickeln können: Vermittler? Vernetzung? Mehr Öffentlichkeit? Weniger Öffentlichkeit? Ein städtisches Ideenmanagement? Geld? Bürgeranträge? Informelle Beteiligung nicht nur für Gewerkschaften und Handelskammer?

Für Trinkwasserbrunnen, Urban Gardening oder eine Hundefreilauffläche sind Volksabstimmungen nicht der richtige Weg. Muss, wer die Idee hat, sie auch umsetzen? Können das andere? Kann die Argumentation in Behörden, Gremien und Parlamenten auch Spaß machen – und wer ist dafür verantwortlich? Lässt sich Öffentlichkeit jenseits der zwei großen Bremer Medien organisieren? Manchmal ist die kleine Öffentlichkeit im Quartier, in der Straße, in der Belegschaft oder in der Kitagruppe viel wichtiger für die Umsetzung einer Idee – und mühevoll genug. Denn mancher Elternabend unterscheidet sich in Komplexität, Innovationskraft, Begriffsstutzigkeit, Unwissen, Absurdität, Spaß- und Ermüdungspotential nur unwesentlich von einer Deputationssitzung.

Wann waren, wo sind in Bremen Bürgerinitiativen erfolgreich? Wenn das Problem groß und existenziell genug war – wie bei der Verhinderung der Mozarttrasse und der Rettung des Viertels. Oder wenn die Initiative groß und breit genug wurde – wie der Bürgerparkverein, oder der Kunstverein als Betreiber der Kunsthalle. Oder wenn Personen, Ideologien, Geld und eine Idee sich verbinden (dürfen) und zu einem Ziel verdichten können: Bremens dann gescheiterte, aber lokal doch wirksame Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas etwa. Oder der Bremer Wonderwall für Werder in der größten Krise. Oder Bremens Zusammenwirken von vielen einzelnen Menschen, Behörden und Initiativen im Willkommen und Ankommen von Geflüchteten in Bremen.

Ist ein Monopol auf Beachtung von Gemeinwohl-Engagement an große soziale Träger wie die Arbeiterwohlfahrt verpachtet, haben sie staatliche Wahrnehmung abonniert – oder wann und wie steht gesellschaftlich hilfreichen, nützlichen, sinnvollen und schönen Initiativen, gemeinnützigen Vorhaben und Unternehmen eine besondere Behandlung zu? Braucht Bremen eine zentrale Projektförderung über Ressortgrenzen hinweg – weil für die Projektarbeit die aufwendige, nervenzehrende, Zeit und Motivation fressende Gründung von „Projektstrukturen“, von Institutionen wie eingetragenen Vereinen, die Einrichtung von Bankkonten, das Verfassen von „Verwendungsnachweisen“ und vieles mehr eigentlich unnötig ist? Lassen sich abschreckende Verfahren – auch im Sinne eines Bürokratieabbaus verschlanken oder abschaffen: Durch Mikrokredite? Durch Patenschaften und Mini-Bürgschaften? Durch Grundeinkommen?

Lässt sich eine Kultur des Ideen-Austauschs in die (Bremer) Medien, Parlamente, Schulen und Kitas, Betriebe und Behörden implantieren?

Ideen sind schön – aber wenn wir über Ideen reden, müssen sie auch kommuniziert, wahrgenommen, ausprobiert und wertgeschätzt werden. Auch ihr Scheitern. Auch ihr Wachsen. Deshalb geht es um Ideenmanagement, Risikokapital, Einsatzbereitschaft. Es geht auch um die Ideen der anderen: Wie nehme ich eine Idee auf, die jemand anderes für etwas ganz anderes ganz woanders hat, die in meinem Projekt, meiner Firma, meiner Straße super passt. Und wie wertschätzen wir alle Ideen, ohne zu unterstellen, da wolle schon wieder noch jemand nur „sein persönliches Ding“ durchziehen?

Ideen sind keine Privatangelegenheit. Ideen sind als Innovationspotenzial ein Teil der gesellschaftlichen und staatlichen Daseinsfürsorge. Wir müssen auch über Haltungen und Strukturen dagegen reden – und  Strukturen dafür einfordern. Strukturen der Wahrnehmung und Achtsamkeit. Infrastrukturen des Glücks.

 

(Carsten Werner)

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